Ich weiß gar nicht mehr, wie alt ich war, als ich meinen ersten Computer bekam. Es war der ausgediente, beige-weiße PC mit Windows XP meiner Eltern. Ich glaube, es gibt sogar noch ein paar Bilder davon. Mehr Retro ging auf jeden Fall nicht. Dazu hatte ich einen BenQ Monitor mit einem 4/3 Seitenverhältnis und mieser Auflösung. Aber das war damals glaube ich einfach der Standard.
Auf diesem Monitor spielte ich Musik von CDs mit dem VLC Media Player ab (der PC hatte selbstverständlich ein DVD-Laufwerk), googlete Dinge wie Dinosaurier oder U-Boote (ja, sowas hat man einfach so aus Interesse gemacht) oder spielte das neueste Spiel aus der Cornflakes-Packung. Dafür hat's auf jeden Fall gereicht, man kannte ja auch nichts anderes.
Irgendwann bekam ich dann einen Laptop mit Windows 7, und ein paar Jahre danach kaufte ich mir dann meinen ersten Gaming-PC, zusammengestellt auf Basis eines YouTube-Videos (Hallo und willkommen bei HardwareRat). Windows 8 lief da drauf. Dazu gab es einen 16/9 Full-HD Monitor von LG.
Da war es also. Massig Leistung und ein gutes IPS-Panel. Ein Setup, dass meinem Teenager-Ich keine Wünsche offen ließ. Bis auch das irgendwann nicht mehr genug war.
Ab in die Breite
Ich wollte unbedingt einen dieser neuen, ultra breiten Monitore im 21/9-Seitenverhältnis haben. Gaming sah darauf deutlich immersiver aus als auf meinem popeligen 24-Zoller. Aber was dann mit dem alten Monitor machen? Naja, einfach weiter nutzen! Weihnachten war es dann soweit: Zum ersten Mal hatte ich zwei Monitore im Einsatz, und ich dachte mir direkt: Nie wieder nur einer.
Ob Skype, Teamspeak, Spotify oder ein League of Legends Build Guide für Maokai - irgendwas fand immer auf dem zweiten Monitor Platz. Es war einfach nur praktisch. Raus-Tabben war gestern, lang lebe der zweite Bildschirm.
Lange war ich damit zu frieden. Über zwei Umzüge hinweg und diverse Hardware-Upgrades im Computer dachte ich nicht ein mal an eine Veränderung der Monitorsituation. Doch mit dem Studium kam neben dem Zocken auch immer mehr Arbeiten am Rechner hinzu. Programmieren, designen, schneiden. Manche dieser Tasks erforderten allein schon zwei Bildschirme. Auf dem einen der Code, auf dem anderen das Ergebnis. Auf dem einen die Timeline, auf dem anderen die Preview. Aber was, wenn ich jetzt noch zusätzlich Spotify auf haben will?
Ein dritter Monitor musste her. Und ein Dreifach-Monitorarm. Ich konnte mir tatsächlich einen Monitor des gleichen Modells wie meinen ersten LG besorgen, für die Symmetrie und so. Und man bedenke: mein Hauptmonitor war immer noch der ultrabreite 21/9er. Das ganze Setup wuchs mir also gehörig in die Breite, über jegliche Schreibtischgrenze hinaus. Ich gebe zu, es war etwas überdimensioniert, vor allem für mein kleines WG-Zimmer. Aber ich hab's geliebt.
Über den Berg
Ein paar Jahre und zwei weitere Umzüge später merkte man den Monitoren ihr Alter deutlich an. Klar, sie funktionierten noch einwandfrei, aber ich verdiente inzwischen ein bisschen Geld und so wirklich zeitgemäß waren die Dinger nicht mehr. Eine 4k-Auflösung sowie 144 Hz Bildwiederholrate war jetzt der heiße Scheiß.
Ich bin normalerweise eher der Typ, der jede Kaufeintscheidung von stundenlanger YouTube-Produkt-Recherche abhängig macht. Aber als ich da im MediaMarkt vor diesem einen 27-Zoll 4k 144Hz IPS Monitor von Samsung stand, machte ich mal eine Ausnahme. Ich hatte keine Ahnung vom Monitor, ob das Preis-Leistungsverhältnis stimmte oder ob es nicht vielleicht bessere Alternativen gab, aber das war mir da ausnahmsweise mal egal. Her damit.
Zuhause ergab sich dann aber folgendes Problem: Wo zuvor noch meine drei Monitore alle in etwa die gleiche Höhe hatten, brach der neue da komplett raus. Meine schöne Symmetrie.
Nun, da ich hauptsächlich auf meinem Rechner auf der Arbeit arbeitete, merkte ich langsam, dass mein dritter Monitor meistens frei von Fenstern war. Also fasste ich den Entschluss, mich zu verkleinern. Das fixte zwar immer noch nicht meine Symmetrie, aber ein bisschen mein Gewissen, da ich nun nicht immer unnötig Stromkosten für den leeren dritten Monitor zahlen musste.
Erst ein zweiter Media Markt-Spontankauf schaffte wieder Frieden in mein Symmetrieherz: 27 Zoll, 144 Hz, aber nur eine QHD-Auflösung, ersetzte den letzten 24-Zoller von früher. Günstig war der neue er auch. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich nun insgesamt 5 Monitore zuhause hätte, von denen ich drei noch bei Kleinanzeigen inserieren durfte. Ja, es sah zeitweise bei mir aus wie ein Monitor-Warenlager.
Was gibt's da noch zu verbessern?
Jetzt sah das Setup zuhause zwar wieder ansehnlich aus, aber irgendwas störte trotzdem. Beide Monitore waren mit 27 Zoll recht groß, sodass auch mal mehrere Fenster gleichzeitig auf einen passten. Zugleich arbeitete ich eigentlich nur noch ausschließlich auf der Arbeit, zuhause wurde lediglich ein bisschen gezockt. Und siehe da, der zweite Monitor blieb meistens leer, wenn nicht sogar aus, denn die Multi-Monitor-Unerstützung von Linux bzw. Gnome ließ noch stark zu wünschen übrig.
Also was jetzt? Wieder zurück auf Anfang? Ein einziger Monitor? Ja. Das war die logische Konsequenz. Aber jetzt den LG- wieder verkaufen und nur noch den Samsung-Monitor nutzen? Nein. Das kam auch nicht infrage.
Sagte ich schon, dass ich kein guter Spontankäufer bin? Der Samsung-Monitor entpuppte sich schnell als Fehlkauf. So eine miese Software hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Sie glich eher der eines Fernsehers, mit Netflix, Disney+ etc. bereits vorinstalliert. AUF EINEM MONITOR! Außerdem lief ich dauernd Gefahr, beim Raus-Tabben das Signal zum Monitor zu verlieren. Da half dann jedes mal nur ein erzwungener Neustart. Finger weg von Samsung.
Also was nun, den auf dem Papier schlechteren LG-Monitor behalten? Nein. Einmal 4k, immer 4k. Blieb nur noch der vollständige Reset. Ein Kleinanzeigen-Kunde durfte sich auf jeden Fall über den tollen Samsung-Monitor "freuen". Der LG lagert jetzt als Backup in seinem Karton (er kam temporär mal in Kombination mit einem Google Chromecast als Fernseher im Schlafzimmer zum Einsatz).
Endlich Frieden
Inzwischen versuche ich, dieses dunkle Kapitel in meiner Monitorhistorie zu vergessen. Heute prangert ein 32-Zoll OLED Monitor von LG auf meinem Schreibtisch. Ein sorgfältig ausgewählter, auf keinen Fall spontan gekaufter High-End-Monitor, der eigentlich keine Wünsche übrig lässt.
Und was soll ich sagen? Einer reicht! Ich brauche nicht mehr als das. 32 Zoll sind so groß, dass problemlos diverse Fenster nebeneinander passen. Es sieht clean und symmetrisch aus (wobei man da auch bei einem Monitor nicht viel falsch machen kann), er schaltet sich nicht random beim Raus-Tabben ab und unterstützt eine Bildwiederholrate, die meine Grafikkarte beim Zocken nicht mal im Traum erreichen könnte.
Sollte ich irgendwann mal im Home-Office arbeiten, reden wir nochmal darüber. Aber bis dahin erstmal Schluss mit der Monitor-Megalomanie, weniger ist manchmal mehr.